RWTH Aachen startet zwei Siegerkonzepte zur Förderinitiative Forschungscampus

Die Aachener Hochschule überzeugte bei der Förderinitiative „Forschungscampus – öffentlich-private Partnerschaft für Innovationen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Künftig können die Forschungen zu „Digital Photonic Production“ und „Elektrische Netze der Zukunft“ bei einer anvisierten Laufzeit von maximal 15 Jahren mit jeweils bis zu 30 Millionen Euro gefördert werden.

"Die vom BMBF geförderten Forschungscampus-Modelle haben eine hohe Innovationsbedeutung, weil hier die Kräfte von Hochschule, Wirtschaft und Forschung gebündelt werden. Der ressourcen- und energieeffizienten Einsatz von Laser in der Produktion und der Bauteilfertigung sowie neue elektrische Netze sollen durch diese Kooperationen einen qualitativen Sprung machen“, so Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, anlässlich der Bescheidübergabe in Aachen. RWTH-Rektor Ernst Schmachtenberg bekräftigt: „Mit diesen Förderentscheidungen unterstützt das Bundesforschungsministerium nachhaltig den Aufbau des Industriecampus auf Melaten. Die Bewilligung ist ein weiterer wichtiger Schritt unser Ziel bis zum Jahr 2020 zu erreichen, eine der weltweit besten integrierten interdisziplinären technischen Universitäten zu werden.“

 

Der Wettbewerb hatte eine breite Resonanz in der deutschen Forschungslandschaft. Die RWTH Aachen schaffte es mit gleich zwei Bewerbungen unter die zehn Gewinner. Bundesforschungsministerin Annette Schavan gab im letzten September zusammen mit den beiden Juryvorsitzenden Henning Kagermann, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften e.V. (acatech), und Ernst Rietschel, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft i.R., die Gewinner bekannt.


Die Initiative des BMBF möchte vor allem die standortgebundene Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft stärken. In dem bewilligten Zeitraum sollen die Kompetenzen und Forschungsaktivitäten der Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft an einem Ort gebündelt und damit die Grundlage für ein nachhaltiges wirtschaftliches Wachstum geschaffen werden. Der Wettbewerb ist themenoffen konzipiert und richtet sich an innovative Modelle öffentlich-privater Partnerschaften. Diese können sich sowohl in der Vor- als auch in der Hauptphase einer Implementierung befinden. Voraussetzung ist aber, dass die Bewerber neben einem standortgebundenen Campus maßgebliche Eigenbeträge außerhalb der vom BMBF geförderten Projekte vorweisen können.


Der RWTH Aachen Campus, der sich über eine Fläche von 2,5 Quadratkilometern erstreckt und bisher rund 100 Unternehmen, davon 18 internationale Unternehmen zusammen mit 31 RWTH-Lehrstühlen und einem Lehrgebiet der FH Aachen beherbergt, erfüllte die Vorraussetzungen mit gleich zwei Konzepten:

„Elektrische Netze der Zukunft“

„Elektrische Netze der Zukunft“ betrachtet Gleichspannungsnetze für alle drei Spannungsebenen. „Wir verfolgen das Ziel, eine effizientere und flexiblere Übertragung und Verteilung elektrischer Energie zu ermöglichen, ohne die Versorgungssicherheit in Deutschland zu beeinträchtigen“, so Prof. Dr. Dr. Rik W. De Doncker, Leiter des RWTH-Instituts für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe und des E.ON Energy Research Centers der RWTH. Um die Kompatibilität mit der bestehenden Netzinfrastruktur zu gewährleisten, werden mögliche Schnittstellen zu neuen Systemen eingehend untersucht. Auch betrachtet das Forscherteam eine wachsende Durchlässigkeit zwischen unterschiedlichen Energienetzen wie Strom, Gas, Wärme, beispielsweise die Umwandlung von (Überschuss-)Windstrom in Wasserstoff oder darauf aufbauend den Wandel in synthetisches Erdgas mithilfe der Power-to-Gas-Technologie. Hierbei entsteht ein großes Potenzial für die Speicherung und den Transport von Energie in vorhandenen Strukturen.


„Digital Photonic Production“


„Digital Photonic Production“ ist die Erforschung von grundlegenden physikalischen Effekten und neuen Methoden für die Nutzung von Licht als Werkzeug in der Produktion der Zukunft. „Digitale Photonische Produktion erlaubt die direkte Herstellung von nahezu beliebigen Produkten aus digitalen Daten. Im Gegensatz zu konventionellen Verfahren können sowohl kleine Stückzahlen als auch komplexe Produkte in kleinster Dimension, verschiedensten Materialien und kompliziertesten Geometrien kostengünstig gefertigt werden. Hier wird teilweise von einer neuen industriellen Revolution gesprochen“, so Prof. Dr. Reinhart Poprawe, Leiter des RWTH-Lehrstuhls für Lasertechnik und Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik in Aachen. Um das Potenzial der Digitalen Photonischen Produktion vollständig zu nutzen, müssen Prozessketten ganzheitlich betrachtet werden. Die Neuauslegung von industriellen Prozessketten reicht dabei von vor- und nachgelagerten Fertigungsschritten, über das Bauteildesign bis zu völlig neuen Geschäftsmodellen wie Mass-Customization oder Open-Innovation.


Celina Begolli

 

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